Donnerstag, 3. August 2017

Hochsensibilität - vom Leidensweg zum inneren Kompass für mehr Lebensqualität und Ausgeglichenheit

Die Natur hat es seit je her so eingerichtet, dass ca. 15-20% aller Menschen (und Tiere) "hochsensibel" sind und damit spezielle Aufgaben für das Fortbestehen ihrer Gattung übernehmen. So sind Hochsensible ihrem Wesen nach die geborenen Berater, Heiler und Wissenschaftler.


Doch in der heutigen Zeit führen zahlreiche Faktoren dazu, dass sich diese Menschen besonders schnell gestresst, überfordert und ausgelaugt fühlen. Zwar kämpfen alle Menschen mit Hektik, Reizüberflutung und Großstadtlärm, doch leiden Hochsensible signifikant stärker unter diesem erhöhten Lebenstempo.

Warum ist das so? Die amerikanische Forscherin Elaine Aron geht davon aus, dass dies mit der Reiz- und Informationsverarbeitung dieser Menschen zu tun hat. Hochsensible haben nicht etwa schärfere Sinne, aber sie verarbeiten hereinkommende Informationen deutlich ausführlicher. Hier nun ein paar häufige Merkmale von Hochsensibilität:

- Hochsensible nehmen über ihre Sinne besonders viele Nuancen.
- Die vielen Details überwältigen und stören sie oft.
- Sie spüren Stimmungen anderer sehr deutlich.
- Sie haben eine reiche innere Erlebniswelt.
- Sie träumen, fantasieren und betrachten ziemlich viel.
- Hochsensible können besonders sorgfältig, bewusst und aufrichtig sein.
- Sie brauchen überdurchschnittlich viel Zeit zur Verarbeitung und zur Erholung.
- Sie können tief berührt werden durch Kunst und Schönheit.
- Sie fühlen sich in der Natur zuhause und sind mit ihr verbunden.
- Sie brauchen Stille, Ruhe und einen übersichtlichen Lebensrhythmus. 
                                                                                            (Quelle: Susan Marletta Hart)

Der Umgang mit emotionaler Sensibilität, das stark ausgeprägte Empathievermögen sowie die Fähigkeit sich mit anderen auf tiefem Niveau zu verbinden macht das Leben für Hochsensible einerseits sehr reich, andererseits aber auch sehr schwierig.

Doch es gibt Strategien, die uns helfen können auf eine gute Art und Weise mit der eigenen Hochsensibilität umzugehen und sie als inneren Kompass zu mehr Selbstvertrauen und Lebensfreude zu nutzen. Jeder Mensch hat hierfür seine ganz eigene Mischung und ich teile nun meine Erkenntnisse und Methoden mit euch:

Zunächst einmal hat es mir geholfen zu wissen, dass ich "hochsensibel" bin. Auf einmal hat so viel einen Sinn gemacht und ich hatte tiefe Einsichten in meine angeborene Konstitution. Das Buch "Achtsam Leben mit Hochsensibilität" von Susan Marletta-Hart fiel mir Anfang 2012 in die Hände und gab mir den entscheidenden Anstoß für eine Änderung meiner Selbstwahrnehmung.

Die Autorin gibt einem in diesem Büchlein ganz wunderbare Übungen und Fragen zur Reflektion an die Hand. Eine Übung hat z.B. mit dem genaueren Betrachten des eigenen Energiehaushaltes zu tun. Der Grundgedanke ist, dass es Aktivitäten gibt, die uns Energie geben und welche, die uns eher Energie nehmen. Hier meine Liste von damals:

Gibt mir Energie
Nimmt mir Energie
Tanzen
Menschenmassen
Authentischer Austausch
Stress /Druck
Schöne Musik
Wenig Schlaf
Singen
Mich zu verstellen
Spazieren gehen
Kälte
Spirituelle Bücher
Negative Gedanken
Gesundes Essen
Zukunftsangst
Natur
Mich zu sehr anpassen
Stille
Lärm
Lieben
Lange wach bleiben
Meditieren
Shoppen
Bewertung loslassen
Ungesundes Essen

Beim jetzigen Draufschauen bin ich erstaunt wie treffsicher ich dies damals schon benennen konnte. Das zeigt, dass wir tief in unserem Inneren bereits wissen, was wir brauchen, um uns besser zu fühlen. Wir alle haben diesen inneren Kompass in uns, der uns leiten kann. Die große Herausforderung besteht allerdings darin auf unsere Impulse und Eingebungen zu hören, ohne Angst zu haben dann als "merkwürdig" oder "empfindlich" abgestempelt zu werden.


Auch heute fällt es mir noch schwer auf meine Bedürfnisse nach Ruhe, Rückzug und Selbstfürsorge zu hören, besonders wenn ich mich damit gegen die Bedürfnisse der anderen entscheide. Doch wenn ich mich übergehe, bezahle ich meist mit zunehmender Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Dieses Wissen hilft mir dann es beim nächsten Mal besser zu machen.

Für viele Hochsensible geht es um eine Fokusverschiebung von Quantität (schneller, weiter, höher) zu mehr Qualität (bewusster, tiefer, menschlicher). Frag dich einmal: Was bedeutet Lebensqualität für mich persönlich? Worauf will ich meine Aufmerksamkeit wirklich richten?

Aufrichtige Aufmerksamkeit für mich selbst und die eigenen Bedürfnisse hat nichts mit Egoismus zu tun. Im Gegenteil. durch ein tieferes Verständnis von uns selbst sind wir auch offen für die authentische Wahrheit des anderen. Zudem ist eine erheblich gestärkte Selbstliebe einer der größten Schlüssel zur Wiederherstellung körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit.


Doch nicht immer lässt sich eine Überreizung vermeiden. Susan Marletta-Hart rät deshalb zum Zusammenstellen eines persönlichen Rettungsset für stressige Zeiten. Auch diese Übung möchte ich mit euch teilen:

Mein Rettungsset: Was hilft mir um Stress zu vermindern?

Hören: Klassisiche Musik, Binaural beats, Soul music, Stille
Sehen: Kerzenlicht, Natur, Abgedunkelte Räume, Sonnenuntergang
Geruch: Jasmin, Lavendel, Wildrose, Schokolade
Fühlen: eine Umarmung von Herzen, Massage, Baden, Tiere streicheln, Kuschelige Decken
Sprechen: die beste Freundin anrufen, Tagebuch schreiben
Schmecken: nahrhaftes Essen, dunkle Schokolade, einen liebevollen Kuss
Bewegung: Tanzen, Singen, Spazieren gehen, Ausschütteln, Mittagsschlaf

Ich habe mir mit der Zeit angewöhnt mögliche Stressquellen frühzeitig zu erkennen und sie weitestgehend zu meiden. Indem ich meine Zeit bewusst mit energiespendenden Aktivitäten fülle, kann ich meine Akkus gut aufladen und kann dann im Gegenzug auch für andere eine Hilfe sein. Meine Teilzeitstelle in der Flüchtlingshilfe gibt mir den perfekten Rahmen meine (hochsensiblen) Talente einzusetzen, ohne mich dabei zu verausgaben. Ich verzichte gerne auf mehr Geld, da ich im Gegenzug mehr Zeit und Lebensqualität gewinne und auf dieses Gleichgewicht kommt es mir an.

Ich hoffe es waren für dich ein paar wertvolle Tipps dabei, so dass auch du mit deiner Hochsensibilität gut leben kannst. Schreib mir gerne einen kleinen Kommentar und berichte was dir am besten hilft und womit du vielleicht noch die größten Probleme hast.

Alles Liebe,
Mira

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