Freitag, 17. März 2017

Übernimmst du zu viel Verantwortung in deiner Partnerschaft?

Ich bin grundsätzlich ein großer Fan von einem ausgeglichenen Geben und Nehmen in Beziehungen. Damit meine ich allerdings keine strikte Erbsenzählerei oder "Wie du mir, so ich dir" sondern vielmehr die Gewissheit, dass beide Partner auf ihre Weise in die Beziehung investieren und im Gegenzug auch die Früchte ernten können.

Wie viele Frauen investiere ich zeitweise aber dann doch mehr als mir gut tut. Anfangs sicherlich weil John sich erstmal in Deutschland zurechtfinden musste. Ich übernahm also alles was mit Finanzen, Planen, Organisieren und bürokratischem Kram zu tun hat.

Allerdings habe ich irgendwann gemerkt, dass ich nicht nur rein praktisch mehr Verantwortung übernehme, sondern mich auch auf mentaler und emotionaler Ebene sehr für John und das Gelingen unserer Beziehung verantwortlich fühle. Ich habe mir anfangs viele Sorgen um John's Zukunft gemacht und stets nach passenden Möglichkeiten Ausschau gehalten, wie er glücklich werden kann.

Damit habe ich uns beide aber unter enormen Druck gesetzt. Unterschwellig wollte "ich" etwas beweisen, indem "John" einen guten Job findet und erfolgreich wird. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr unsere Energien miteinander verknüpft waren. Ging es John schlecht, ging es mir automatisch auch schlecht. Ich habe mich für sein Wohlergehen verantwortlich gefühlt, auch wenn er das gar nicht wollte.

Ich durfte erkennen, dass ich mit diesem Verhalten keinem von uns einen Gefalle tue. Im Gegenteil, ich entmündige John dadurch vielmehr, mache ihn von mir abhängig uns beschwere mich dann, dass er sich nicht genug einsetzt. Dazu fällt mir ein Zitat von Byron Katie ein:

"Zu denken, dass ich weiß was das Beste für irgendjemanden ist, ist außerhalb meiner Angelegenheiten zu sein. Sogar im Namen der Liebe ist es reine Arroganz und das Resultat ist Anspannung, Sorge und Angst. Weiß ich was richtig ist für mich? Das ist meine einzige Angelegenheit. Lass mich zuerst damit arbeiten bevor ich versuche Probleme für dich zu lösen."

Das war eine wertvolle Erkenntnis. Es hat mich auf mich selbst zurückgeworfen und im Nachhinein bin ich dafür sehr dankbar. Ich musste mich also primär fragen, was "mich" glücklich macht und dann dementsprechend handeln. Das habe ich zum Glück auch getan bzw. bin immer wieder aufs Neue dabei, denn bei mir und meinen Angelegenheiten zu bleiben ist eine große Herausforderung für mich.

Schon seit meiner Kindheit habe ich unbewusst viel Verantwortung für das Glück anderer Menschen übernommen. In meinem Job in der Flüchtlingshilfe muss ich mich daher auch immer wieder dabei ertappen wie ich deren Probleme auf mich nehme und versuche sie in ihrem Namen zu lösen, anstatt mehr Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Ich merke jedes Mal wie eine riesen Last von mir abfällt, wenn ich diese Verantwortung abgebe und mich stattdessen nur auf mich und den nächsten Schritt in meinem Leben konzentriere. Dann habe ich plötzlich wieder Energie für das Schreiben eines Blogbeitrages oder das Vorantreiben meiner Masterarbeit. Indem ich mich auf meine Fortschritte konzentriere, motiviere ich nebenbei auch meine Umwelt es mir gleichzutun. Ob sie es dann letztlich machen, ist allein ihre Entscheidung. Es liegt schließlich nicht in meinem Verantwortungsbereich.


Ich habe übrigens neulich auch nochmal mit John geredet und wir sind zu der Übereinkunft gekommen, dass ich mich zwar auch weiterhin um den Bürokratiekram kümmere, er dafür aber mehr Aufgaben im Haushalt übernimmt. So werde ich nun an fünf Tagen in der Woche bekocht und muss nicht mehr abends noch im Supermarkt an der Kasse stehen. Was für eine Erleichterung! Das Gleichgewicht ist wieder hergestellt und ich übernehme meine Aufgaben nun wieder mit Freude.

Wie gehst Du mit diesem Thema um? Übernimmst du auch gelegentlich mehr Verantwortung als dir gut tut und mischst dich gerne mal ungefragt in die Angelegenheiten anderer Menschen ein? Wie beeinflusst das deine Partnerschaft? Möchtest du was ändern?

Herzlichst,
Mira

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