Sonntag, 5. März 2017

Geld - das leidige Thema in vielen binationalen Partnerschaften

Geld war in meinen binationalen Beziehungen immer ein großes  Minenfeld. Obwohl ich mir große Mühe gab diesem Thema nicht all zu viel Gewicht zu geben (schließlich gibt es noch wichtigere Dinge im Leben) stand es dennoch immer irgendwo im Raum. Unser Geld war eindeutig ungerecht verteilt und sorgte stillschweigend  für ein enormes Ungleichgewicht in der Partnerschaft.

Ich, als Weiße geboren in einer Arztfamilie, war dabei eindeutig auf der Gewinnerseite. Zwar waren meine Eltern keineswegs "reich", aber wir mussten uns um Geld zumindest keine Sorgen machen. Mein Vater bezahlte meine Studiengebühren und kam zusätzlich für die Unterhaltskosten auf. Wenn mir das zu wenig gewesen wäre(!), hätte ich natürlich noch einen Nebenjob annehmen können. Dann aber auf jeden Fall einen der zu mir passt und möglichst gut bezahlt. Ich hatte die Wahl.

Als ich mich auf einer Afrikareise in einen Schwarzen aus einer Arbeiterfamilie verliebte, lernte ich  Geld aber auch als ein sehr zweischneidiges Schwert kennen.

Meine Euros waren in Gambia deutlich mehr wert als die lokale Währung, weshalb ich mir dort quasi "für lau" ein gutes Leben machen konnte. Vom weißen Standpunkt aus gesehen war jedenfalls alles verhältnismäßig günstig und so profitierte ich erneut ganz "unverdient" von den  kolonialen Überbleibseln in unserer heutigen Welt.


Ganz anders sah die Sache natürlich aus Sicht der Einheimischen aus. Diese konnten sich glücklich schätzen, wenn sie überhaupt einen Job fanden und mussten dann meist hart für ihren erkämpften Lebensstandard arbeiten. Wollten sie dann auch noch mit uns Weißen mithalten und abends in schicke Clubs gehen, ständig Taxi fahren und möglichst nah am Strand wohnen, dann stoßen sie ziemlich schnell an die Grenzen des Machbaren.

Als ich das mal durchschaut hatte, blieben mir scheinbar zwei Möglichkeiten: Ich konnte meinen schwarzen Freund fortan entweder zu allem einladen und die "Gönnerin" spielen oder ich senkte meinen Lebensstandard und lernte mit weniger auszukommen.

Wir haben damals, denke ich, einen recht guten Kompromiss gefunden, der für uns beide gepasst hat. Wie wohnten zum Beispiel für sechs Monate im Haus seiner Eltern und gaben die gesparte Miete dann für Lamins Weiterbildung und gemeinsame Aktivitäten aus. Wir kauften den Großteil der Lebensmittel auf dem lokalen Markt ein und erledigten, wenn möglich, das meiste zu Fuß. Abends saßen wir sowieso lieber auf dem Dach und haben Sterne beobachtet als vor dem Fernseher zu sitzen. Das waren also alles keine sonderlichen Einschränkungen ;-)

Im Gegenteil, ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Selten war ich in meinem Leben so glücklich und zufrieden gewesen. Ich genoss den entschleunigten Lebensstil und fühlte mich auf seltsame Weise "angekommen".


Dennoch werde ich zeit meines Lebens eine Weiße bleiben, die allein aufgrund dieser Tatsache zahlreiche Privilegien in Afrika genießt und sich daher auch immer von der lokalen Bevölkerung absetzen wird. Und um ganz ehrlich zu sein wollte ich einige dieser Privilegien auch nicht missen wollen. Insgeheim träumte ich sogar davon eines Tages ein eigenes Haus am Strand zu besitzen, wobei wir wieder beim leidigen Thema Geld angekommen wären.

Persönlich hatte ich ja das Privileg einfach wieder nach Deutschland zurückkehren zu können und dort nach Abschluss meines Studiums einen guten Job anzunehmen. Aber für Lamin wäre das Leben in Deutschland eine große Herausforderung geworden. Er hatte lediglich die 9. Klasse besucht und war noch nie in seinem Leben außerhalb Gambias gewesen. Es wäre jedenfalls eine gewaltige Umstellung für uns beide geworden und ich weiß nicht, wie lange ich diesem Erfolgsdruck Stand gehalten hätte.

Auf der anderen Seite hätte ich auch nicht einfach mein Studium schmeißen wollen, um dann in Gambia ein neues Leben anzufangen. Zwar hatte ich manchmal diese Fantasien, aber wo hätte uns das hingeführt? Wo wäre das Geld hergekommen? Wäre ich wirklich bereit gewesen ebenso hart zu schuften wie viele Einheimische, ohne dabei finanziell wirklich vorwärts zu kommen?


Ich habe mich von all dem Hin und Her in meinem Kopf damals total überfordert gefühlt und die Beziehung schließlich beendet. War es Lamins Schuld? Nein! Er ist in meinen Augen ein ganz wunderbarer Mensch, der meine Liebe und meinen Respekt mehr als verdient hat.
Er hat mir seine Welt gezeigt und ich habe ihm meine verwehrt. Aus Angst! Das Ungleichgewicht drohte unsere zarte Liebe zu erdrücken. Da habe ich in letzter Minute einen Rückzieher gemacht.

Nach dieser Erfahrung war ich jedenfalls überzeugt, dass die große Liebe in Afrika wohl fortan nur eine Erinnerung bleiben würde. Dass ich mich einige Jahre später erneut in einer ähnlichen Situation wiederfinden würde, wollte ich damals gewiss nicht hören.

Auch beim zweiten Mal wurden viele Ängste und Zweifel aktiviert und ich sah mich erneut vor große Herausforderungen gestellt. Wie ich damals damit umgegangen bin und was mir geholfen hat den Schritt letztlich doch zu wagen, erfahrt ihr ein anderes Mal.

Was habt ihr für Erfahrungen mit Geld in euren Partnerschaften gemacht? Ist es ein Streitthema oder konntet ihr einen guten Kompromiss finden? Ich freue mich von euch zu hören!

Herzlichst,
Eure Mira

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