Freitag, 17. Februar 2017

Behördengänge: Ohnmachtsgefühle in Stärke verwandeln

Wer eine binationale Partnerschaft führt, kommt früher oder später mit Behörden in Kontakt. Sei es die Botschaft, die Ausländerbehörde oder das Jobcenter. Ich habe jedenfalls mit allen meine mehr oder weniger leidvollen Erfahrungen machen müssen. Am schlimmsten war für mich anfangs das Gefühl, dass mein Schicksal in den Händen irgendeines gefrusteten Beamten liegt. Die haben mich sozusagen "an der Angel", dachte ich.
Dabei erleben wir als weiße Partnerinnen noch die harmlosere Variante. Viele Ausländer werden von den Behörden regelrecht schikaniert und absichtlich "ausgebremst". Das alles kann enorme Ohnmachtsgefühle auslösen. Wie du in Zukunft etwas besser damit umgehen kannst, erfährt du jetzt:

Die innere Wut anerkennen

Ich weiß nicht, wie oft ich diese unfähigen Beamten (in Deutschland und in Afrika) schon zum Mond schießen wollte. Selten haben Menschen so eine Wut in mir ausgelöst. Einmal war ich sogar so frustriert, dass ich schreiend im Auto saß und mit voller Wucht auf das Lenkrad gehauen habe. (Aua, tat mein Handgelenk danach weh). Was ich sagen will: In Wut oder Panik zu verfallen ist eine völlig normale und verständliche Reaktion, wenn einem scheinbar absichtlich Steine in den Weg gelegt werden. Fakt ist aber, dass es meist nix bringt. Im Gegenteil, oft verpulvert man damit seine Energie und ist danach noch gefrusteter als vorher.

Besser ist es, diese Energie in konstruktive Bahnen zu lenken. Besinne dich auf deine zahlreichen Stärken und du wirst merken wie du dich ganz automatisch aus der Ohnmachtsfalle rausbewegst. Letztlich geht es darum das unkontrollierte "Kämpfen" aufzugeben und stattdessen mit Strategie und Beharrlichkeit und voranzuschreiten. Ich habe es oft mit einer Partie Schach verglichen.

Eine Partie Schach spielen

Je besser du die Spielregeln kennst und je konzentrierter du bei der Sache bist, desto größer sind deine Chancen den vermeintlichen Gegner auf der anderen Seite zu bezwingen, richtig? Zudem lässt sich folgendes aus dieser Metapher ableiten:

  • Informiere dich genauestens über die aktuelle Gesetzeslage und sprich, wenn möglich, mit anderen Betroffenen. So wirst du zum ebenbürtigen Gegner und kennst deine Trümpfe.
  • Bleibe möglichst ruhig und richte deine gesamte Aufmerksamkeit nur auf die drei nächsten Züge. Frage dich: Welchen Schritt kann ich jetzt gehen und was sind mögliche Konsequenzen?
  • Beklage dich nicht über verlorene "Bauern". Ja, du wirst aller Wahrscheinlichkeit nach Verluste hinnehmen müssen im Spiel mit den Behörden. Manchmal musst du einiges an (Lehr-) Geld bezahlen. Ein anderes Mal zieht sich eine wichtige Entscheidung vielleicht unendlich in die Länge und du gerätst in Zeitnot.
  • Nur nicht nachlässig werden. Viele Beamte spielen absichtlich auf Zeit. Deine Aufgabe ist es immer wieder "anzugreifen" und dein Gegenüber dadurch in "Zugzwang" zu bringen. Rufe regelmäßig bei der zuständigen Stelle an und frage nach dem neusten Bearbeitungsstand. Bleibe aktiv!
  • Wenn es scheinbar nicht mehr weitergehen sollte, dann gönne dir eine Pause. Vielleicht triffst du beim nächsten Mal auf einen neuen "Spielpartner". So manches Mal hat es mir geholfen einfach mit einer anderen zuständigen Person zu sprechen. Ein netter neuer Kollege und dein Anliegen kommt wieder ins rollen...
  • Lerne dein Gegenüber kennen und erzähle etwas von deiner Geschichte. Wenn dein "Gegner" Sympathie für dich entwickelt wird vielleicht so manche geheime Tür aufgehen. Meine Freundin hat damals ihren Visumsanträgen immer Bilder von sich und ihrem Partner angehängt. Es hat funktioniert...

Wie sagt man so schön: "Übung macht den Meister" und das trifft sowohl beim Schach als auch beim Umgang mit den Behörden zu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt. Allerdings nur, wenn sie mit einer guten Portion Freundlichkeit gepaart ist. Das ist zugegebenermaßen nicht immer leicht, doch ist es meines Erachtens von ungeheurer Wichtigkeit. Ich stelle mir z.B. immer vor, wie anstrengend deren Job wohl sein muss. Dann signalisiere ich dieser Person all mein Verständnis und frage sie interessiert, wie es ihr gerade geht. Dadurch ist das Gegenüber plötzlich viel empfänglicher für mein Anliegen und bereit auch für mich etwas mehr Verständnis aufzubringen.

Das funktioniert übrigens auch wunderbar auf der rein mentalen Ebene. Ich habe schon so manchem Beamten meine tiefe Liebe gesendet, ohne dass er davon wusste. Gerade wenn alles hoffnungslos erscheint, bewirkt dieser Perspektivwechsel manchmal wahre Wunder.

Ein kleiner Erfahrungsbericht

Einmal habe ich kurz vor Abflug noch auf ein Visum gewartet, aber der Beamte auf der Botschaft hat mich eiskalt abblitzen lassen. Obwohl ich wirklich bemüht war ihm Verständnis gegenüber aufzubringen, war da nichts zu machen. Wir sind einfach immer nur noch mehr aneinandergeraten und er wurde mit der Zeit immer unfreundlicher. Ich war so verzweifelt und wollte schon aufgeben, doch dann habe ich mich daran erinnert meinen Fokus zu ändern. Ich habe meine aufgekochte Wut hinterfragt und mich stattdessen auf die Liebe in meinem Inneren konzentriert. Irgendwann ist diese Liebe dann auch zu diesem besagten Beamten geflossen und ich spürte eine große Portion Mitgefühl für diesen Stinkstiefel. Ich bin kurzerhand einfach im Foyer sitzen geblieben und war wie in eine Art meditativen Zustand verfallen. Auf einmal hatte ich sogar richtig gute Laune und es ergab sich spontan ein tolles Gespräch mit einem südafrikanischen Tänzer, der mit dem Musical "The Lion King" auf Deutschlandtournee war und ebenfalls auf sein Visum wartete. Nach einer halben Stunde stand dann völlig unverhofft dieser Beamte vor mir und drückte mir wortlos meinen Pass mit dem entsprechenden Stempel in die Hand. Wow!

Ich konnte in dem Moment kaum fassen, was da gerade passiert war, doch sollte es mir eine echte Lehre im Umgang mit Beamten sein. Sie haben echt keinen leichten Job und möchten letztlich auch nur ein bisschen Verständnis bekommen.

Ja, mit der Liebe auf unserer Seite können wir so manchen vermeintlichen Gegner "Schachmatt" setzen. Probiert es gerne aus! Aber seid gewarnt: Es funktioniert nur, wenn die Liebe wirklich aus eurem Herzen strömt und nicht als billiger Trick missbraucht wird und scheinheilig daherkommt.
Ich freue mich von euren Erfahrungen zu hören.

Herzlichst,
Mira