Samstag, 21. Januar 2017

5 Stadien einer Paarbeziehung (Teil 1)

Jede Liebesbeziehung wird auf einzigartige Weise erfahren und gelebt. Dennoch gibt es unterschiedliche Stadien, die sie im Laufe der Zeit durchläuft. Man kann sich das wie Entwicklungs-schritte vorstellen, die beiden Partner vor die Füße gelegt werden.

Das Wissen um diese Stadien kann uns dabei helfen, auch in sehr herausfordernden Zeiten (und die werden kommen) nicht zu schnell aufzugeben und uns nach einem "besseren" Partner umzusehen. Wenn beide bereit sind sich auf diese tief transformierende Reise mit ihrem ganzen Sein einzulassen, dann beginnt etwas Höheres zu wirken. Die allumfassende Liebe tritt in unser Leben und trägt uns fortan wohin wir wollen...

1. Stadium: Verliebt bis über beide Ohren
Hierzu möchte ich euch gerne einen Tagebuch-Eintrag (vom 08.11.2009) zeigen, der die Gefühle dieser Phase eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Ich war damals unsterblich in einen Mann aus Gambia verliebt und schwebte auf Wolke Sieben. Ich hätte mir alles mit ihm vorstellen können:

Ich habe gerade drei Stunden mit Daddy (Lamin's Spitzname) telefoniert. Es ist unglaublich was für Glücksgefühle er bei mir auslöst. Mein ganzer Körper steht unter Spannung und es kribbelt in meinem Herzen, wenn er mir all die süßen Sachen sagt. Ich vermisse ihn so sehr. So etwas habe ich noch nie so intensiv gefühlt. Selbst wenn ich den ganzen Tag schlecht gelaunt bin, sobald ich mit ihm rede, breitet sich Liebe in mir aus. Ich weiß, dass diese Liebe etwas ganz besonderes ist. Ich will mit ihm mein Leben aufbauen, mit ihm Kinder haben und mit ihm alt werden...

Ja, verliebt sein ist wunderschön. Es weckt in uns die Lebensgeister und alles scheint möglich. Ein neuer Partner (zudem aus einem anderen Land) bietet unglaublich viel Projektionsfläche, auf die wir nach Belieben all unsere Wünsche und Fantasien projezieren können.Dass da die Ernüchterung nicht lange auf sich warten lässt, ist eigentlich klar. Doch in dieser Phase gilt: "Wir sehen, was wir sehen wollen, nicht was ist."
Frisch Verliebte fühlen sich für eine Zeit lang wie im Rausch und können daher gekonnt über alle Macken ihres Partners hinwegsehen. Das hat durchaus seinen evolutionären Sinn. Die Verliebtheitsphase ist der zündende Funke, der zwei Menschen zusammenführt und dabei ziehen sich gerade Gegensätze magisch an. Noch etwas: Verliebtsein ist eine der intensivsten Stimulationen persönlicher Entwicklungen im Erwachsenenleben. Bei mir bewirkte es damals regelrecht eine Art spirituelles Erwachen, wo ich mich auf einmal mit allem verbunden fühlte und eine ganz neue Perspektive auf das Leben erfuhr.
Ob aus einer flüchtigen Verliebtheit eine ernsthafte Partnerschaft wird, hängt zu großen Teilen davon ab, wie wir mit der nächsten Phase umgehen.

2. Stadium: Die Ernüchterung tritt ein

Nach einer Weile der Euphorie, folgt unweigerlich der Eintritt in das Land der Realität, wo nur noch wenig Schmetterlinge fliegen. Binationale Paare trifft diese Phase oftmals besonders schnell und heftig, da in unserem System so viele Herausforderungen und Vorurteile auf sie warten. Bei mir verursachte das immer eine ganz schöne Achterbahnfahrt der Gefühle. Der folgende Eintrag (vom 06.03.10) ist nach einer solchen Welle der Euphorie entstanden und brachte mich unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück:

In den letzten Tagen ging es mir wieder schlecht. Ich merke, wie Unzufriedenheit an mir nagt und ich wieder an allem zu zweifeln beginne. Ich will dann nur fliehen, kann Nähe nicht gut ertragen und mein Gegenüber regt mich auf oder widert mich an. Dann habe ich Daddy gesagt, dass ich noch nicht bereit bin mich auf ihn komplett einzulassen. Dass ich noch andere Dinge erleben möchte, bevor ich an Heiraten und Kinder kriegen denke. Auch habe ich ihm von meinen Sorgen erzählt wovon wir leben sollen, da Daddy ja keine Ausbildung hat. Jetzt versuchen wir, dass er sich hier als KFZ Mechaniker ausbilden lassen kann, um dann später auch in Deutschland eine Perspektive zu haben. Ich habe ihm gesagt, dass ich Angst habe, dass er von mir abhängig ist. Und das hat mich wieder zu meiner Urangst gebracht meine so geschätzte Unabhängigkeit zu verlieren. Abends hatte ich dann richtig schlechte Laune. Dieser Hundeblick törnt mich manchmal so ab...

Sobald das Verliebtheitsgefühlt nachlässt, erkennen wir immer mehr Unterschiede zwischen uns und unserem Partner und fühlen uns dadurch zunehmend getrennt von ihm. Kritik zu üben fällt jetzt leicht und wird auch großzügig ausgeübt. Bei binationalen Paaren spielen dann meist kulturelle Unterschiede eine zentrale Rolle und werden zunehmend als Belastung erlebt.

In dieser Phase trennen sich die meisten Paare, in dem Glauben, dass es jetzt mit der Liebe vorbei sei. Doch oft ist genau das Gegenteil der Fall: Erst wenn die Verliebtheitsphase vorbei ist, kann die wahre Liebe Einzug nehmen. Jetzt fangen wir an unseren Partner so zu sehen, wie er wirklich ist. Und da auch wir nicht fehlerfrei sind, dürfen wir nun lernen Kompromisse einzugehen und unseren Partner so zu akzeptieren, wie er ist. Oft ist aber zunächst das Gegenteil der Fall und die Fronten verhärten sich. Die dritte Phase beginnt... (Teil 2 folgt)

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