Sonntag, 18. Dezember 2016

Binationale Trauung - Teil 2: Meine Blitz-Hochzeit

Lange Zeit stand ich mit dem Thema "Heiraten" auf Kriegsfuß. Ich empfand die Ehe einfach immer als sehr einengend und war daher alles andere als scharf darauf mein gesamtes Leben mit einer Person auf engstem Raum zu teilen. Es gleicht schon ziemlich an Ironie, dass ausgerechnet ich nun als eine der ersten in meinem Freundeskreis verheiratet bin. Im Nachhinein bin ich aber heilfroh diesen Schritt gewagt zu haben, denn eine Ehe mit dem richtigen Partner kann überaus beglückend sein. Nun aber zu meiner Geschichte und wie du eventuell von meinen Erfahrungen profitieren kannst...

Eine unkonventionelle Verlobung
Eine Trauung fängt ja bekanntlich mit einer Verlobung an, und das dann am besten noch ganz klassisch mit auf die Knie fallen und einen schicken Ring zücken. Nicht so bei uns! Unsere "Verlobung" fand an meinem letzten Tag in Südafrika statt und das von beiden Seiten völlig unvorbereitet. Wir saßen an unserem Lieblingsplatz, einem abgelegenem Wasserfall, und genossen die letzten Stunden. Dort überkam mich dieses unsagbar starke Gefühl von purer Liebe und ich war zu Tränen gerührt. Ich löste mich aus John's Armen, drehte mich zu ihm um und sagte: "Wollen wir nächstes Jahr heiraten?" John schmunzelte und fragte, ob ich mir wirklich sicher wäre, schließlich kannte er meine Einstellung zur Ehe und hatte sich daher diesbezüglich immer diskret zurückgehalten. Aber in diesem Moment war ich mir sicher: Mit diesem Mann möchte ich durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gehen. Er hielt mich wieder fest in seinen Armen, küsste mich sanft auf die Backe und wir genossen diesen besonderen Moment. Damit war es also beschlossen...

Die Suche nach der perfekten Lösung
Zurück in Deutschland ging mir das Thema nicht mehr aus dem Kopf. Ich recherchierte nächtelang alle erdenklichen Möglichkeiten und ging dann regelmäßig mit einem dicken Schädel zu Bett. Die Entscheidung nach dem passenden Ort, die Frage wie groß die Trauung werden soll und, ach-du-meine-Güte, so viele Dokumente müssen eingereicht werden. (s. hier) Das alles machte mich ganz hibbelig und kirre. Zum Glück hat John diese wunderbare Art mich jedes Mal von meinem Trip runterzubringen. Er nahm mir den Druck die perfekte Lösung für alle Beteiligten finden zu wollen und so entschieden wir uns erstmal für eine Vertagung der Hochzeit. Stattdessen fassten wir einen neuen Plan: John würde mich im Sommer für drei Monate besuchen kommen und dann versuchen eine internationale Firma zu finden, die ihm ein Arbeitsvisum besorgen könnte. In dieser Zeit könnte er sich dann auch mein Leben in Deutschland anschauen und ein Gefühl dafür entwickeln, ob er sich eine Zukunft in diesem Land überhaupt vorstellen kann. Dieser Plan fühlte sich für uns beide stimmig an...

Binationale Trauung für Kurzentschlossene
Nach einiger Zeit blieb aber die Arbeitssuche weitestgehend erfolglos und wir entschieden uns kurzerhand doch für die Hochzeit. Ich rief bei der Ausländerbehörde an und man bestätigte mir, dass es prinzipiell möglich ist auf einem Touristenvisum zu heiraten, gesetz dem Falle, dass die Hochzeit nicht vorsatzmäßig geplant war. Denn dann läge kein Visumsmissbrauch vor und man könne nach der standesamtlichen Trauung den entsprechenden Aufenthaltstitel beantragen, ohne erst nochmal ins Heimatland zurückfliegen zu müssen. Was für ein Glücksfall! Wir machten einen Termin beim Standesamt, wo promt die Ernüchterung folgte: Die Beantragung des Ehefähigkeitszeugnis könne bis zu drei Monate dauern. Dazu müsse man John's Geburtsurkunde erst noch mit Apostille beglaubigen, es amtlich übersetzen lassen und anschließend zum Oberlandesgericht schicken. Puhh, uns das in nur 7 Wochen! Sofort leitete ich alles in die Wege und wie durch ein Wunder hatten wir knapp einen Monat später alle Unterlagen beisammen. Der Standesbeamte war selbst ganz beeindruckt von dieser Rekordzeit. Wir heirateten schließlich am 11.06.2015 im kleinen Kreis. Es war ein sonniger Tag und eine sehr harmonische und entspannte Feier...

Viel Zeit, Geld und Nerven gespart
Am Montag danach sind wir direkt zur Ausländerbehörde, um die 3-jährige Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Dort bekamen wir ein Dokument ausgestellt, welches besagt, dass der Ausweis angefordert ist und sich John dadurch trotz ablaufendem Touristenvisum rechtmäßig in der BRD aufhält. Letztlich lief alles wie am Schnürrchen und durch diese glückliche Fügung haben wir uns viel Zeit, Geld und Nerven gespart.

Falls es unter euch ebenfalls ein paar Kurzentschlossene gibt, möchte ich euch allerdings kurz warnen: Es besteht keine Garantie, dass dieser Weg erfolgreich ist. Ihr braucht nur einem unfreundlichen Beamten bei der Ausländerbehörde zu begegnen und er wird euch auf die gängigen Visabestimmungen verweisen. Aber gerade wenn euer Freund zuvor noch nie in Deutschland gewesen ist, ist diese Vorgehensweise eine gute Alternative. So kann sich dein Partner unverfänglich an die neue Umgebung rantasten. Das wird sicher auch deine Familie freuen, da sie sich ebenfalls langsam an deine Beziehung gewöhnen können. Was meint ihr? Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Thema "binationale Trauung" gemacht? Dann schreibt einen Kommentar...