Sonntag, 11. Dezember 2016

Binationale Trauung - Teil 1: Visumsfragen

Welches binationale Paar kennt ihn nicht? Den endlosen Stress rund um das Thema Heiraten. Für viele ist das die einzige Chance sich ein gemeinsames Leben aufzubauen und daher fühlt man sich von den Behörden fast schon in die Ehe "gedrängt".
Die erste Frage in solch einer Situation ist natürlich: "Wollen wir überhaupt heiraten? Kennen wir uns schon so gut, dass wir uns in Zukunft fest aneinander binden wollen?"
Wird diese Frage beiderseits bejaht und ihr spürt einfach, dass dies der richtige Schritt für euch ist, dann ist das nächste Hindernis die Entscheidung nach dem passenden Ort.

Wo wollen wir heiraten?
Bei dieser Entscheidung stehen emotionale, finanzielle und bürokratische Gründe auf dem Plan.Wollt ihr in Deutschland heiraten oder lieber im Heimatland deines Partners? Daneben gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die Heirat in Dänemark. Warum ausgerechnet Dänemark? Weil dieses Land besonders günstige Gesetze für die Eheschließung von binationalen Paaren hat. Ich werde im Folgenden alle drei Optionen näher ausführen und speziell die Frage klären, welche Dokumente für das jeweilige Visum notwendig sind.














1. Möglichkeit: Heiraten in Deutschland
Diese Entscheidung ist nur allzu verständlich, da Du hier im Kreise deiner Familie feiern kannst und Dir der Ablauf von Hochzeiten in Deutschland wahrscheinlich schon sehr vertraut ist. Falls ihr nach der Hochzeit auch dauerhaft als Paar in Deutschland leben wollt, hat diese Möglichkeit auch einige praktische Vorteile.
Um in Deutschland zu heiraten, braucht ihr natürlich das passende Visum. Ihr könnt zwar auf allen gültigen Schengen-Visa heiraten, aber nur ein sogenanntes Heiratsvisum (auch Visum zum Zwecke der Eheschließung genannt) kann nach der Hochzeit direkt in einen dauerhaften Aufenthaltstitel umgewandelt werden. Um dieses Visum zu erhalten, müsst ihr euch zunächst beim zuständigen Standesamt informieren, welche Dokumente ihr für die Anmeldung der Eheschließung benötigt.
Kleiner Tipp: Auch wenn es nicht so glamourös ist empfehle ich eher in einer ländlichen Gemeinde zu heiraten, da ihr dort viel schneller einen Termin bekommt und die Leute meist sehr hilfsbereit sind.
Die Eheschließung muss grundsätzlich nach dem Recht beider Partner zulässig sein. Unabdingbar ist daher in den meisten Fällen das sogenannte Ehefähigkeitszeugnis. Dieses Zeugnis ist die offizielle Bestätigung, dass der Eheschließung nach den Gesetzen des Heimatlandes keine Ehehindernisse entgegenstehen, insbesondere  dass keine andere Ehe besteht. Ausgestellt wird dieses Zeugnis von einer Behörde des Heimatlandes, in manchen Fällen auch von der entsprechenden Auslandsvertretung. Welche Unterlagen ihr dafür benötigt, könnt ihr hier nachlesen.Vorsicht: Die Gültigkeitsdauer eines  Ehefähigkeitszeugnis beträgt maximal 6 Monate.
Der Standesbeamte kann Dir bei Bedarf auch ein Dokument ausstellen, indem die Anmeldung zur Eheschließung bestätigt wird und auch der voraussichtliche Zeitraum eurer Trauung Erwähnung findet. Damit habt ihr die erste große Hürde für das Visum genommen. Glückwunsch!
Die zweite große Hürde ist das Nachweisen minimaler Deutschkenntnisse. Die meisten Botschaften möchten dies in Form einer bestandenen A1 Prüfung. Die beste Anlaufstelle dafür ist das Goethe Institut. Dein Partner muss nicht zwangsläufig einen entsprechenden Kurs belegen, aber die Prüfung ist auch nicht zu unterschätzen. Ausgesprochen hilfreiches Vorbereitungsmaterial für die telc Prüfung findest du hier.
Als letztes musst Du noch nachweisen, wie Du in Deutschland dein Geld verdienst (z.B. Arbeitsvertrag, Einkommensnachweise, Stipendium etc.) und wo Du momentan wohnst (Mietvertrag mit Höhe der Miete und qm). Die deutschen Behörden wollen natürlich nicht, dass dein Partner ihnen zukünftig auf der Tasche liegen wird, deshalb möchten sie ein Mindesteinkommen von etwa 1.300 € sehen (entspricht dem Regelsatz von Hartz IV im 2 Personenhaushalt). Falls Du noch in Ausbildung sein solltest und von deinen Eltern unterstützt wirst, gibt es die Möglichkeit einer Verpflichtungserklärung. Das bedeutet deine Eltern "verpflichten" sich zur finanziellen Unterstützung für den Zeitraum wo ihr noch unverheiratet in Deutschland seid. Ab dem Zeitpunkt der Eheschließung sind deine Eltern dann von der Verpflichtung befreit.
Welche Dokumente ihr darüberhinaus noch bei der jeweiligen Auslandsvertretung vorlegen müsst, erfährst Du hier.

2. Möglichkeit: Heiraten im Heimatland des Partners
Auch diese Möglichkeit ist sehr beliebt. Habt ihr euch beispielsweise in diesem Land kennen- und lieben gelernt, dann wird die dortige Hochzeit zu einem sehr bedeutsamen und symbolischen Ereignis. Ein weiterer großer Pluspunkt: Ihr könnt direkt im Anschluss wundervolle Flitterwochen genießen 😎
In der Regel kannst Du mit einem ganz normalen Touristenvisum einreisen und nach der Hochzeit dann das Visum zur Familienzusammenführung (Ehegattennachzug) beantragen.
Wichtig: Bei einer Heirat im Ausland gelten die Formvorschriften des Auslands. In manchen Ländern gilt man beispielsweise erst mit 21 als volljährig und darf auch erst dann heiraten. Informiere Dich also im Vorhinein ausreichend über die dortigen Gegebenheiten.
Neben gültigem Reisepass verlangt die ausländische Behörde normalerweise nur das deutsche Ehefähigkeitszeugnis. Dies wird von dem für deinen Wohnsitz zuständigen Standesamt ausgestellt und sollte vor der Ausreise vorliegen. In seltenen Fällen kann darüberhinaus auch ein ärztliches Gesundheitszeugnis verlangt werden.
Für das o.g. Heiratsvisum und für das Visum zum Ehegattennachzug werden letztlich die gleichen Dokumente benötigt, lediglich die Reihenfolge der Prüfung ist etwas anders. Hier kannst du dich bei der zuständigen Auslandsvertretung genauer informieren. In jedem Fall müssen die originalen Heiratsdokumente mit einer 'Apostille' versehen werden. Die Apostille ist dabei nichts anderes als eine Unterschriftsbeglaubigung und Echtheitsbestätigung, die von den jeweiligen Behörden im Ausland ausgestellt wird. Des Weiteren werden für den Ehegattennachzug in der Regel Deutsch A1 Kenntnisse, eine gültige Krankenversicherung sowie entsprechende Melde- und Einkommensnachweise von der deutschen Botschaft gefordert.
Achtung: Zwischen der Hochzeit und dem Erhalt des Visums können mehrere Monate liegen. Überlegt euch daher am besten schon vorher genau, wie ihr die langen Wartezeiten überbrücken wollt.

3. Möglichkeit: Heiraten in Dänemark
Das Heiraten in Dänemark soll laut kommerziellen Anbietern eine schnelle, einfache, unbürokratische und kostengünstige Alternative zu einer Heirat in anderen Ländern darstellen. Eine in Dänemark geschlossene Ehe wird europaweit anerkannt und macht sie daher besonders für binationale Paare sehr attraktiv.
An Unterlagen braucht ihr eure Reisepässe, einen gültigen Aufenthaltstitel (z.B. Touristenvisum oder Heiratsvisum), eine Ledigkeitsbescheinigung  und eure Geburtsurkunden (oft nur gültig mit Apostille). Das mitunter sehr aufwändige Prozedere rund um das Ehefähigkeitszeugnisses fällt zwar dadurch weg, aber zu euphorisch sollte man dennoch nicht sein. In den letzten Jahren haben sich die Visabestimmungen deutlich verschärft. Wer nur mit einem Schengen-Visum für Touristen eingereist ist, muss zunächst zurück in sein Land und von dort aus die Familienzusammenführung beantragen (hier eine kleine Ausnahme). Das macht das ganze dann wiederum alles andere als schnell, einfach, unbürokratisch und kostengünstig. Mein Tipp: Verzichtet auf die überteuerten Blitz-Hochzeits-Pakete im Internet und informiert euch selbst, was für euren individuellen Fall die beste Lösung ist.

P.S: Alle Angaben sind nach bestem Gewissen recherchiert, aber natürlich ohne Gewähr. Lasst mich daher gerne wissen, ob ich noch wichtige Informationen vergessen habe.

Herzlichst,
Mira